Schul- und Jugendtheater-Wettbewerb

Theaterprojekte zu Biographien der Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen

Einsendefrist 29. Mai 2019!

Neuigkeiten

Das Bundesarchiv veröffentlicht eine Liste mit 30.000 Namen von Opfern der NS-"EUthanasie"

Durchbruch im Gedenken an die Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen.

Am 30. August stellte das Bundesarchiv eine Liste der Namen der Opfer der NS-"Euthanasie" online. Die pdf ist ab sofort abrufbar.

Auf 408 Seiten alphabetisch geordnet können nun Namen, Vornamen, Geburtsdatum, Tag des Abtransports und letzte erfasste Einrichtungen von fast 30.000 Menschen, Opfern der Aktion T4, abgelesen werden. Zum 79. Jahrestag des Hitler-Erlasses "Zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" vom 01. September 1939 werden Menschen dem Vergessen entrissen, deren Namen über 8-Jahrzehnte in Archiven nur Wenigen zugänglich waren. „Ohne Namen kein Gedenken“, sagt Sigrid Falkenstein. Sie erzählte am Freitag, 31.August 2018, im Rahmen der Veranstaltung " Situation der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen in der NS-Zeit", wie sie 2003 durch Zufall auf einer „illegalen“ Liste den Namen ihrer Tante entdeckte - von deutschen Ärzten ermordet. "Es war ein Schock", sagte sie und schilderte, wie diese Entdeckung ihr weiteres Leben maßgeblich beeinflusste. "Diffuses Schweigen" in den Familien beschrieb auch Renate Michel, die 1992 als junge Frau plötzlich feststellte, dass ihre Großtante Karoline Franz während der NS-Zeit in einer Anstalt verstarb. Sigrid Falkenstein und Renate Michel verbindet jahrelange Recherchearbeit in ihren Familien, Archiven, Anstalten und Behörden. Sie beide sind auf ein mehrschichtiges Phänomen des Vergessens gestoßen, sie beide machten sich mit ihren Entdeckungen und ihrer klaren Haltung für den offenen Umgang mit den historischen Dokumenten stark.

Lange Jahre war die öffentliche Nennung der Namen der Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen nicht möglich mit der Begründung Angehörige schützen zu müssen. Behinderung und/oder psychische Erkrankung wurde durch die Nicht-Nennung der Namen der Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung und/oder psychischen Erkrankung umgebracht wurden, weiter stigmatisiert. „In Zeiten von Inklusion und der UN-Behindertenrechtskonvention kann es nicht mehr hingenommen werden, die Namen der Opfer öffentlich nicht nennen zu dürfen", betonte Sigrid Falkenstein. Sie verkündete am vergangenen Freitag am 31. August 2018 die bahnbrechende Nachricht aus dem Bundesarchiv vor einem vollem Auditorium in der Topographie des Terrors in Berlin. Für das Projekt andersartig gedenken on stage bedeutet es, dass junge Menschen auf der Liste des Bundesarchivs auf Namen aus ihrem Familienkreis stoßen können. Durch die Veröffentlichung der Opfernamen werden viele Familien erst heute erfahren, dass ihre Angehörige in einer Anstalt nicht an einer Lungenentzündung, wie es oft offiziell hieß, sondern durch Ärzte und Pflegepersonal gezielt getötet wurden. Die Geschichten dieser Menschen, jeden einzelnen von ihnen, gehört erzählt zu werden. „Durch das Brechen des Schweigens konnte Karoline weitestgehend in der Familie rehabilitiert werden“, sagte Renate Michel zum Ende ihres Vortrags.

2016 erzählte uns eine Schulklasse aus Bremerhaven, im Rahmen des ersten Jahrgangs von andersartig gedenken on stage, das Schicksal von Käthe Spreen, einer jungen Frau, die in ihrer Nachbarschaft lebte und 1941 in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet wurde. Die Aktion T4 und die anschließende sogenannte „freie Euthanasie“, die bis 1945 andauerte, erlöschte das Leben vieler Menschen in vielen Nachbarschaften. Bis zu 300.000 Menschen mit Behinderung und psychischer Erkrankung konnten dem Wahn der Nationalsozialisten und der Ideologie eines „gesunden Volkskörpers“ nicht entkommen. 30.000 von ihnen bekommen jetzt, 78 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, ihren Namen zurück.

Auf der Seite des Bundesarchivs heißt es:

"Das Bundesarchiv stellt die Erschließungsinformationen der Krankenakten mit den jeweiligen Personendaten (Namen, Geburtsdaten, Namen der letzten Einrichtungen) seit August 2018 über seine Rechercheanwendung invenio im Internet zur Verfügung. [Hinweis: Bei der Nutzung des Firefox-Browsers kommt es derzeit leider zu Zeilenverschiebungen in der Darstellung der Erschließungsinformationen. Der technische Dienstleister arbeitet an der Behebung des Fehlers.]

Zugleich wird hier eine übersichtliche Liste der Personen veröffentlicht, zu denen im Bundesarchiv Patientenakten vorliegen.

Schließlich bietet das Bundesarchiv seinen Nutzern online eine Übersicht (Inventar) über archivalische Quellen zur Geschichte der "Euthanasie" von 1939-1945 in Archiven und anderen Institutionen in Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien."

Liste der Namen der Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen

Veröffentlich vom Bundesarchiv. Die Liste enthält nur die Namen von Personen, zu denen im Bundesarchiv-Bestand R 179 Patientenakten vorliegen.

02.09.2018

Stana Schenck

   

Sigrid Falkenstein (links) und Renate Michel (rechts) während ihrer Vorträge im Rahmen der Veranstaltung des Kontaktgespräches Psychiatrie "Die Situation der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen in der NS-Zeit" in der Topographie des Terrors am 31. August 2018 in Berlin

 

 

Schülerinnen und Schüler zeigen Interesse/ Workshops in Frankfurt Oder und in Berlin

Gedenk- und Dokumetationsstätte

24. Mai 2018, Frankfurt/Oder

Die Gedenk- und Dokumentationsstätte "Opfer politischer Gewaltherrschaft" in Frankfurt/Oder liegt idylisch direkt am Ufer der Oder. Von außen würde man nicht vermuten, dass es sich hier um eine der ältesten Strafvollzugsanstalten der Mark Brandenburg handelt. Das Hauptanliegen der Gedenk- und Dokumentationsstätte "Opfer politischer Gewaltherrschaft" ist es, die Schicksale von Personen zu dokumentieren und öffentlich zu machen, die durch ihre politische Überzeugung, durch ihren Glauben, durch ihre Rasse, ihr widerständiges Verhalten oder einfach nur auf Verdacht hin in die Lager kamen bzw. in die Mühlen der politischen Strafjustiz gerieten.

Der Förderverein Gedenkort T4 e.V. konnte am 24. Mai 2018 in Kooperation mit der Gedenkstätte Viadrina einen Workshop zu Biographien von Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen durchführen. Das Interesse war sehr rege. An diesem sonnigen Donnerstag kamen 37 junge Menschen aus vier Frankfurter Schulen in die Gedenkstätte. Eine engagierte Schülerin meldete gar ihre gesamte 9. Klasse des Karl-Liebknecht-Gymnasiums an. Vertreten waren ein Gruppe aus dem Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium (10. Jahrgang), der Heinrich-von-Kleist Oberschule (8. Jahrgang) und der Ulrich-von-Hutten Oberschule (8.Jahrgang).

Matthias Kube, Vorstand der WIchern Diakonie Frankfurt/Oder eröffnete und stellte den Zusammenhang zu heute her, Stana und Stefan Schenck stellten den Wettbewerb vor. Robert Parzer erklärte die wichtigsten historischen Fakten zu NS- "Euthanasie"- Verbrechen und zeigte, wie man sich Opferbiografien erschließen kann. Kay Langstengel gestaltete später am Nachmittag einen Theaterworkshop innen und draußen. Ein besonderer Dank gilt Konrad Tchäpe, der die Gedenkstätte leitet und sehr engagiert an der Organisation des Workshops mitwirkte. Ein gelungener Tag, der Hoffnung macht, dass diese junge Menschen am Thema dranbleiben, eigene Theaterstücke entwickeln und bis Ende Mai 2019 bei uns einreichen.

28. Juni 2018, Berlin

Am 28. Juni trafen wir eine 8. Klasse des Berliner Gymnasiums am Europasportpark im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors. Für viele ihr erster Besuch der Gedenkstätte und auch ihre erste Begegnung mit dem Thema NS-„Euthanasie“-Verbrechen. Was ist Behinderung, was ist Inklusion – wir begangen den Tag mit einer Fragerunde. Später führten wir eine Empathie-Übung durch: wie fühlt es sich an ein 14-jähriges Mädchen zu sein, das sehbeeinträchtigt ist und nicht zur Schule gehen kann? Die Jugendlichen nahmen Identitäten von anderen Menschen ein und prüften innerhalb einer interaktiven Übung, wie es um Chancengleichheit steht. Viele waren erstaunt, wie schnell Menschen abgehängt werden, je nach Herkunft, Bildung der Eltern, Ethnie, Behinderung, Geschlecht. Anschließend sprachen wir über zivilgesellschaftliches Engagement und blickten zurück in die Geschichte. Robert Parzer erläuterte den Begriff der NS-"Euthanasie"-Verbrechen, was zur Aktion T4 führen konnte. Ab die Täter davonkamen? – fragten uns junge Leute wie in Frankfurt/Oder, so in Berlin. Viele Ärzte/Täter hatten lange Jahre danach Kinderarzt. Allgemeinarzt- Frauenarztpraxen geführt. Es gab leider keine Aufarbeitung dieser Geschichte: Es herrschte viel Schweigen in den Familien der Opfer, viel Scham.

Das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors befindet sich in der ehemaligen Schaltzentrale des NS-Terrors,  am Ort des damaligen Reichssicherheitshauptamtes und des Hauptquartiers der Gestapo.Der Historiker und Jurymitglied von „andersartig gedenken on stage“ Florian Kemmelmeier führte anschließend durch die Ausstellung und zeigte anhand historischer Ereignisse in der Vorkriegszeit, wie die Staatsgewalten verschmolzen, wie Polizei nicht mehr unabhängig agierte, wie die Zivilbevölkerung sich verhielt.

Ein weiterer Workshop folgt am 17. September 2018 in Brandenburg an der Havel. Wir sind gepannt und freuen uns auf die Teilnehmenden. Anmeldung und Informationen stehen in der Rubrik Workshops.

 

Durchbruch im Gedenken an die Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen.

Am 30. August stellte das Bundesarchiv eine Liste der Namen der Opfer der NS-"Euthanasie", ein 408-Seiten langes Dokument mit fast 30.000 Namen, online. Die pdf ist ab sofort abrufbar. Für das Projekt andersartig gedenken on stage beudetet es, dass noch viel mehr Schiksale erzählt werden können. So wie 2016 eine Schulklasse aus Bremerhaven das Schicksal von Käthe Spreen, die in ihrer Nachbarschaft lebte und 1941 in der Tötungsanstalt Hadamar ermordert wurde, ihre Geschichte auf die Bühne brachte, könnten jetzt Schul- und Jugendtheater sich auf die Suche nach Menschen machen, die in ihrer Umgebung lebten. Lange Jahre war die öffentliche Nennung der Namen nicht möglich mit der Begründung Angehörige schützen zu wollen. Behinderung und/oder psychische Erkrankung wurde durch die Nicht-Nennung der Namen der Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung und/oder psychischen Erkrankung umgebracht wurden, weiter stigmatisiert. Viele Angehörigen, darunter Sigrid Falkenstein, setzen sich seit Jahren für die öffentliche Nennung der Opfernamen. So verkündete Sigrid Falkenstein am vergangenen Freitag am 31. August 2018 diese bahnbrechende Botschaft in der Topographie des Terrors vor vollem Auditorium. Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung sprach sie über ihre Recherchearbeit zu Biographie ihrer Tante Anna Lehnkehring, aber auch über ihr Engagement für Gedenken an alle Opfer der NS-"Eurhanasie"-Verbrechen, das sie seit 2003 entscheidend prägte.

Auf der Seite des Bundesarchivs heißt es:

"Das Bundesarchiv stellt die Erschließungsinformationen der Krankenakten mit den jeweiligen Personendaten (Namen, Geburtsdaten, Namen der letzten Einrichtungen) seit August 2018 über seine Rechercheanwendung invenio im Internet zur Verfügung. [Hinweis: Bei der Nutzung des Firefox-Browsers kommt es derzeit leider zu Zeilenverschiebungen in der Darstellung der Erschließungsinformationen. Der technische Dienstleister arbeitet an der Behebung des Fehlers.]

Zugleich wird hier eine übersichtliche Liste der Personen veröffentlicht, zu denen im Bundesarchiv Patientenakten vorliegen.

Schließlich bietet das Bundesarchiv seinen Nutzern online eine Übersicht (Inventar) über archivalische Quellen zur Geschichte der "Euthanasie" von 1939-1945 in Archiven und anderen Institutionen in Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien."

von Stana Schenck

andersartig gedenken on stage 2018/19 eröffnet

Theater, Twitter und der Holocaust- klassisches Theater und neue Medien" war eines der Themen, die wir im Februar dieses Jahres am Theater der Jungen Welt in Leipzig mit vielen anderen Theaterschaffenden diskutiert haben.

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