3. bundesweiter Theater-Wettbewerb

zu Biographien der Opfer der NS-"Euthanasie"-Verbrechen

 

Die Jury

 

Dr. Gisela Höhne - Juryvorsitzende

 

Gisela Höhne ist promovierte Theaterwissenschaftlerin und Regisseurin. In der Nachwendezeit gründete sie das Theater RambaZamba in Berlin. Ihr Sohn Moritz, der 1976 mit dem Downsyndrom geboren wurde, ist von Beginn an ein festes Ensemblemitglied. RambaZamba ist eines der wichtigsten Inklusionstheater. Die kontinuierliche Arbeit ist fest mit Gisela Höhne verbunden, die für ein Schauspielertheater steht und als die treibende Kraft in der Behindertentheater-Szene gilt. Für einzelne Produktionen kommen Gäste wie Angela Winkler oder Eva Mattes, die in Der gute Mensch von Downtown mitspielte, hinzu. Mit ihrer ganz eigenen Ästhetik setzte Gisela Höhne mit ihrem Ensemble in Deutschland einen Maßstab für die Theaterarbeit mit und von Menschen mit Behinderung. 2017 übergab sie die Gesamtleitung des Theaters an ihren Sohn, den Musiker und Regisseur Jacob Höhne.

 

Prof. Dr. Marianne Hirschberg

Prof. Dr. Marianne Hirschberg hat den Lehrstuhl für das Fachgebiet "Behinderung, Inklusion und Soziale Teilhabe" an der Universität Kassel inne. Ein thematischer Schwerpunkt ihrer Lehre und Forschung sind die Menschenrechte von Menschen mit Behinderung, ihre Entwicklung, ihre Auslegung und ihre Umsetzung. Von 2013 bis 2020 war sie Professorin am Lehrstuhl „Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Gesundheit“ der Fakultät Gesellschaftswissenschaften der Fachhochschule Bremen. Zuvor arbeitete sie U.A. als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention am Deutschen Institut für Menschenrechte (DIMR) sowie am Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft (IMEW). In der Jury von andersartig gedenken on stage sie bereits 2016 und 2019 für die Inklusionsperspektive verantwontwortlich.

 

 

Tine Rahel Völcker

 

Tine Rahel Völcker ist Autorin von Theaterstücken, Hörspielen und Prosa. Ihre Arbeiten thematisieren die Folgen der nationalsozialistischen Verbrechen und suchen Wege über Gewalt zu sprechen, ohne sie zu reproduzieren. Mit „Frauen der Unterwelt“ brachte sie 2019 am Berliner Ballhaus Ost erstmals ein Stück in Eigenregie auf die Bühne. 2020 erschien ihr Prosadebüt "Chantal Akermans Verschwinden. Les Rendez-vous de Tarnów" über die jüngst verstorbene belgisch-jüdische Filmemacherin. Tine Rahel Völcker arbeitet in der Theater- und Hörspielproduktion mit Vorliebe in kollaborativen, queerfeministischen Zusammenhängen.

 

 

Florian Kemmelmeier

Florian Kemmelmeier arbeitet als pädagogischer Mitarbeiter im Gedenkstättenreferat der Stiftung Topographie des Terrors und ist für die bundesweite Vernetzung von Bildungsprojekten im Rahmen des Programms „Jugend erinnert“ zuständig. Er verfügt über jahrelange praktische Erfahrung mit Führungen, Workshops und Seminaren – auch zu den nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen – für die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie die Stiftung Topographie des Terrors. Florian Kemmelmeier war u.A. für die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) sowie die Tiergarten 4 Association e.V. tätig. Als Juror begleitete er bereits die Vorgängerwettbewerbe in Jahren 2016 und 2019 und verantwortet erneut die historische Perspektive in der Juryarbeit.

 

Hannah Bischof

Hannah Bischof lebt als freischaffende Malerin in Berlin. Sie studierte Germanistik, Geschichte, Philosophie und Jura. Nach ihrem 2. Staatsexamen arbeitete sie zehn Jahre als Anwältin. 2009 wechselte sie den Beruf und widmet sich seitdem ganz der Kunst. Ihre Bilder „Zyklus für Maria“, über das Schicksal ihrer Großmutter Maria Fenski, erzählen eindringlich vom Drama der „Euthanasie". Hannah Bischofs Großmutter Maria gelangte 1942 nach verschiedenen Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken wegen einer Wochenbettpsychose in die Landesanstalt Neuruppin in Brandenburg. Hier wurde sie ermordet, weil Menschen mit der Diagnose „Schizophrenie" als lebensunwert angesehen wurden. Hannah Bischofs „Zyklus für Maria“ wurde in verschiedenen Städten der Bundesrepublik ausgestellt.

 

Kai Bosch

Kai Bosch ist ein deutscher Autor, Slam-Poet, Schauspieler und Workshopleiter. Bisher blickt er auf über 200 Bühnen-Auftritte zurück. 2015 konnte er die baden-württembergischen U20-Landesmeisterschaften im Poetry Slam für sich entscheiden. 2016 nahm er als Mitglied des Ensambles des Theaters Backnang erfolgreich an dem ersten Jahrgang des Wettbewerb „andersartig gedenken on stage“ teil und bekam von der Jury den „Förderpreis für eine herausragende schauspielerische Einzelleistung“ überreicht. Nun nimmt er bereits zum zweiten Mal selbst einen Platz in der Jury ein. Auch abseits der Bühne widmet er sich ganz der Sprache: Seinem Debut-Jugend-Roman „Laberaffe“ (2014) folgte seine erste Textsammlung „Tagträumer“ (2016). 2020 erschien sein drittes Buch "Titel werden überwertet". Bosch studiert Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim.

 

Eileen Moritz

Eileen Moritz arbeitete seit den 1990er Jahren, nach ihrem Studium der Sozialpädagogik, in unterschiedlich Feldern der Sozialarbeit. Erst 2009 kehrte sie zu „ihren Wurzeln“ zurück und engagiert sich seither behindertenpolitisch im Sinne der Selbstbestimmt Leben Bewegung. Dies hat ihr ermöglicht, ihre Leidenschaft für Bildungsarbeit zu verwirklichen und zunehmend als freie (Diversity-) Trainerin zu arbeiten.

Menschenrechtsbildung, Inklusion als Menschenrecht, die Selbstbestimmt Leben Bewegung waren ihre Themen, die sie durch Wissenstransfer, Empowerment-, Sensibilisierungs- und Diversity-Trainings (EWdV) zur Bewusstseinsbildung umsetzte. Zudem begleitete sie als Supervisorin (DGSv) Veränderungs- und Inklusionsprozesse.

Inzwischen arbeitet sie, die Fundamente der Bewegung im Herzen, sehr „realpolitisch“ als Beauftragte für Menschen mit Behinderungen im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Sie wirkt Diskriminierungen und Vorurteilen entgegen und setzt sich für Chancengleichheit und gleichwertige Lebensbedingungen ein.
Als sie 2019 die entstandenen Stücke von andersartig gedenken on stage erstmalig sah, war sie so begeistert, dass sie unbedingt mitwirken wollte. Die lebendige Auseinandersetzung der jungen Menschen mit den Euthanasiemorden wirkt ermutigend und gegen das Vergessen.